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Wie wir dem Hund erklären, was wir möchten - und was wir nicht möchten

Wie wir dem Hund erklären, was wir möchten - und was wir nicht möchten

Eine Sache fällt mir immer wieder auf: Menschen können ihren Hunden sehr gut erklären, was sie möchten. Fast niemand hat damit ein Problem, seinen Hund zu loben, entspannt, locker und freudig zu sein. Was sehr oft schwer fällt, ist die Kehrseite: authentisch, ernst, bestimmt und begrenzend mit dem Hund zu kommunizieren. Das ist vollkommen verständlich und normal. Niemand möchte mit jemandem, den man gern hat, ein ernstes Wort reden. Schwierig wird es dann, wenn das Gegenüber, in dem Fall der Hund, mit dem man eine enge Beziehung pflegt, eigene Interessen und Ziele verfolgt, die nicht immer mit den eigenen übereinstimmen. Darüber hinaus ist es ein vollkommen normales Verhalten unter in sozialen Strukturen lebenden Tieren, seine Grenzen auszuloten und je nach Typ sogar Konflikte zu forcieren. Das bedeutet, dass je nachdem mit welchem Typ Hund man zusammenlebt, man mehr oder weniger dazu getrieben wird, auch mal ein ernstes Wort zu sprechen, damit sich das Zusammenleben für beide Seiten harmonisch und sicher gestaltet.

 

Damit für den Hund klar ist, was ich von ihm möchte und was nicht, muss ich es schaffen, bei einer Korrektur als auch bei einem Lob eine komplett konträre Stimmung zu schaffen. Es ist meiner Erfahrung nach für viele Vierbeiner wirklich schwierig zu wissen, was erwünscht und was unerwünscht ist, wenn meine Körpersprache, meine Stimme, meine Haltung, meine Präsenz, etc. sich nicht klar je nach erwünschtem oder unerwünschtem Verhalten des Hundes unterscheiden. Und da kommen wir zum schwierigsten Punkt, denn: der Hund entscheidet, was für ihn eine Belohnung und was für ihn eine Korrektur ist, nicht der Mensch. Bei der Belohnung ist das vielen schnell klar: manche Hunde können nichts mit Spielzeug anfangen, und bevorzugen Leckerlis, andere wiederum erfreuen sich am meisten über soziale Anerkennung oder darüber, etwas für den Menschen tun zu können. Genauso aber verhält es sich bei einer Korrektur: für den einen Hund reicht ein Blick, dass er seine Haltung ändert, beim anderen Körpersprache und beim nächsten wiederum erst eine körperliche Berührung, um sich wahrzunehmen und zu regulieren. Das wichtigste dabei ist eben die Haltung des Hundes!

 

Sehr schön beobachten kann man das in Hundegruppen: wird ein Hund gemaßregelt und dieser steht danach genauso vor seinem Gegenüber, wie vor der Korrektur, wird der Korrigierende mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit nochmal deutlicher nachsetzen, denn die Haltung des anderen zeigt ihm, dass er das, was er ihm versucht hat zu sagen, augenscheinlich nicht verstanden hat. Ein "Nein" ist eben nicht unbedingt ein "Nein", nur weil ich es gesagt habe. Der Hund entscheidet das, was er an Intensität benötigt, um zu verstehen. Die benötigte Intensität kann sich natürlich im Laufe eines Hundelebens und je nach Situation ändern. Und sie kann sich je nach Umgang mit dem Hund so verändern, dass er im Idealfall feiner für eine Kommunikation mit dem Menschen wird, oder aber auch nicht, wenn es ungünstig umgesetzt wird.

 

Wichtig ist wie immer die Mitte, also dem Hund deutlich zu zeigen, dass man ihn liebt, so wie er ist, aber ihm auf der anderen Seite auch klarmachen zu können, dass man mit manch unerwünschtem Verhalten nicht einverstanden ist. Im Idealfall schafft man es, so viel wie möglich positiv mit dem Hund zu lösen und nur so negativ wie nötig eingreifen zu müssen. Dann kann sowohl der Hund als auch der Mensch mit dem Wissen, einen verlässlichen und berechenbaren Partner an seiner Seite zu haben, entspannt und glücklich durch einen manchmal verlockenden und stressigen Alltag gehen!